Fukushima

FUKUSHIMA steht inzwischen als Sinnbild für eine unvorhergesehene Katastrophe und die Grenzen der Sicherheit von Technik.

Wir Menschen in dieser technisierten Welt haben inzwischen einen unumkehrbaren Bedarf an Energie. Seit der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert und dem dabei notwendigen Einsatz an elektrischer Energie, ist deren Erzeugung ein wichtiges Bemühen von Wissenschaft und Technik. Was hat sich seither durch und um Energiegewinnung alles geändert. Allein die Suche nach Energiequellen hat die Wissenschaft aktiv beschäftigt. Der Gedanke daran, die natürlichen Ressourcen und damit die entdeckten Vorräte dieser Erde zunächst mal sinnlos intensiv zu fördern und in Energie umzusetzen, wurde zum Antrieb kluger Menschen. Es begann mit der Kohle, deren Förderung und Verfeuerung ganze Wirtschaftszweige entstehen ließ, Menschen Arbeitsplätze verschaffte, Städte und Regionen in einem bis dahin nicht gekannten Maß neue Lebensbereiche möglich machte. Allein die Kohlenvorräte des deutschen Ruhrgebietes schafften Generationen von Menschen Lebensgrundlagen. Zuwanderung von Arbeitskräften aus dem Osten Europas gaben dem neu entstandenen Industriegebiet ein ganz spezielles Gepräge, das sich über das 20.Jahrhundert kaum änderte, aber auch durch den technischen Fortschritt ständig partielle Veränderungen erfuhr.  Strukturwandel entstand  im Ruhrgebiet, als man Kohle nicht mehr zu günstigen Preisen fördern konnte, weil größere Vorräte, kostengünstiger Abbau und billiger Transport unschlagbare Konkurrenz entstehen ließ.

Das Erdöl begann seinen Siegeszug und es entstanden neben Förderung, Transport, Veredelung auch wieder Industriezweige, von denen Jahrtausende Menschheitsgeschichte nichts geahnt hatten. Die ungleichmäßige Verteilung der Vorräte machten einerseits gigantische Ansammlungen von Reichtum möglich, lösten aber auch Kriege aus, deren Folgen noch heute weltweit spürbar sind und wahrscheinlich noch Generationen von Menschen beschäftigen werden, im Guten wie im Bösen. Die Endlichkeit der natürlichen Vorräten sind erkannt, der Ersatz beschäftigt wieder, wie seit jeher, ganze Heerscharen von Wissenschaftlern und Technikern. Lösungen sind nur partiell erreicht, müssen aber wegen des inzwischen gigantischen Bedarfs gefunden werden.

Die Entdeckung der Kernenergie schien die Lösung des Problems einer dauerhaften Versorgung von sauberer und unbegrenzter Energie zu sein. Schien zu sein. Kernkraftwerke sind inzwischen auf der ganzen Welt in Betrieb. Von der Sucht getrieben, mit der Energiegewinnung aus der Kraft der Atome auch auf Dauer keine Sorgen um den Lebensstandard der Menschen auf dieser Erde mehr zu haben, wurde der Aspekt Sicherheit nur noch zur Kenntnis genommen. Die Techniker haben zunächst mal das Kunststück geschafft, sicher erscheinende Kraftquellen zu konstruieren und auch von gut ausgebildeten Menschen bedienen zu lassen. Anfängliche Proteste realistisch denkender Menschen wurden teilweise mit Gewalt unterbunden. Und tatsächlich produzieren Kernkraftwerke weltweit große Mengen elektrischer Energie, wenn auch leider mit nur vermeintlicher Sicherheit. Dass der Faktor „menschliche Unzulänglichkeit“ völlig ausgeblendet worden ist, immer aber latent über allen Konstrukten der Technik schwebt, zeigte sich erstmals als verhängnisvolle Fehleinschätzung im russischen TSCHERNOBIL.  Bei Wartungsarbeiten entglitt den Technikern die Kontrolle und als 1987 Reaktorblöcke sich verselbstständigten und bei folgenden Explosionen eine ganze Region verseucht wurde, die Lebensgrundlage tausender Menschen nicht mehr gegeben war, wurde deutlich, dass der Mensch eben nur eine begrenzte Sicherheit bieten kann, als Konstrukteur wie auch als Betreiber. Das Fanal eines explodierten Menschenwerks hat die Verantwortlichen erschrecken lassen, Konsequenzen nachhaltiger Natur, hat es kaum gegeben. Immerhin glüht dieses Unglückswerk noch vor sich hin, Millionen Tonnen Beton dienen als Schutzhülle, in regelmäßigen Abständen überarbeitet, von vielen Staaten finanziert, wohl wissend, dass der Zustand unkontrolliert zu einer Verseuchung ganzer Landstriche führen kann. Das Problem ist in der Welt, ungelöst.

Und dann kam FUKUSHIMA. Ein Erdbeben löste in Japan am 11. März 2011, also vor 5 Jahren, einen Tsunami aus, dessen Wassermassen das Kernkraftwerk teilweise zerstörte. Eine Kernschmelze, ein GAU (Größter Anzunehmender Unfall) kam unvermutet in diese Welt. Hier war es nicht der alltägliche Umgang mit der als todsicher geltenden Technik, vielmehr hatte die Planung nicht für möglich gehalten, dass die Natur eine Kraft entwickeln könnte, die Barrieren zu überwinden in der Lage war. Die Tsunamiwelle überwand die Höhe von mehr als 15 Metern, die das KKW über dem Niveau der ruhigen Meereshöhe gebaut ist. Gebäude aus Stahl und Beton wurden zertrümmert und heute, 5 Jahre nach den Unglückstagen, arbeiten täglich 8.000 Menschen daran, die den Trümmerhaufen stückchenweise abbauen und überhaupt erst mal unter Kontrolle bringen. Die Experten glauben, in ca. 40 Jahren den Bereich gesichert zu haben. „Glauben“, nicht wissen heißt es dabei. Die Region ist unbewohnbar, tausende Menschen haben ohne Hoffnung auf Änderung, ihre Heimat verloren.

Eine politische Folge in Deutschland war und ist, dass unsere Kanzlerin, promovierte Physikerin, sofort die politische Konsequenz daraus gezogen hat, deutsche Kernkraftwerke stillzulegen. Eine gute Tat.

Ist nun wieder verstärkt die Sonne dran, uns mit ausreichend Energie zu versorgen? Wer weiß, wer weiß.

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